Es ist genug für alle da! - Der Weltacker in Berlin

Würden wir die Ackerfläche der Welt pro Kopf verteilen, hätte jeder rund 2.000 Quadratmeter für sich. Darauf muss alles wachsen, was wir verbrauchen. Ein bildungspolitisches Projekt der Zukunftsstiftung Landwirtschaft arbeitet globale Probleme auf und vermittelt sie gekonnt - willkommen auf dem Weltacker.

2.000m² hat theoretisch jeder zur Verfügung – Der Weltacker in Berlin-Marzahn. Foto: Volker Gehrmann

Die Welternährung ist und bleibt ein heikles Thema. In Deutschland ist davon aber kaum etwas zu spüren. Wir gehen mehrmals die Woche in den Supermarkt, über den Wochenmarkt oder lassen uns unsere Lebensmittel bequem bis vor die Haustür liefern. Wo es herkommt ist meistens nur auf dem Etikett lesbar. Klar – der Trend strebt kurze, nachvollziehbare Wertschöpfungsketten an und immer mehr Menschen bevorzugen regionale Bioprodukte, aber Hand aufs Herz – wer von uns hat schon mal auf einem Acker gestanden; hat tatsächlich gesehen, wie die Lebensmittel wachsen, die wir essen?

Auf dem Weltacker der Zukunftsstiftung Landwirtschaft kann man das und mehr erfahren. Wo wächst unser Essen? Wie kann sich die Welt in Zukunft ernähren? Welche regionalen und globalen Probleme ergeben sich daraus? Fragen, die nach Antworten verlangen.

Fairerweise hätte jeder Mensch 2.000 Quadratmeter Acker für sich

Global gesehen gibt es rund 1,4 Milliarden Hektar Ackerland. Pro Kopf sind das etwa 2.000 Quadratmeter, die jeder für sich hätte. So viel Fläche, wie ein Parkplatz auf dem 200 PKW stehen oder etwa ein Drittel eines Fußballfeldes. Darauf müsste alles wachsen, was man braucht; nicht nur Lebensmittel. Auf dem Acker müssten wir die Baumwolle für unsere Hosen und T-Shirts, den Raps für Bio-Diesel und die Raucher*innen ihren Tabak anbauen. Eben alles, was wir irgendwie verbrauchen.

Allerdings ist die Welt nicht fair. Als privilegierte Europäer*innen nutzen wir heute rund 700 Quadratmeter mehr und rauben damit anderen Menschen ihren Anteil am Weltacker.

Die Pflanzen, die weltweit am meisten Platz verbrauchen sind Weizen, Mais, Reis und Sojabohnen. Auf der Hälfte des Weltackers wachsen nur diese vier Pflanzen und das, obwohl wir sie nicht einmal essen. Über die Hälfte wird zu Tierfutter, Sprit und Energie.

Der Gärtner des 2.000m² Weltackers Gerd Blobauer bei der Arbeit mit Jugendlichen. Foto: Volker Gehrmann

2.000 Quadratmeter Acker füttern zwei Schweine bis zur Schlachtung

Wenn wir auf dem Acker das Futter für Schweine anbauen, würden auf dem Acker nur Getreide, Mais und Soja wachsen. Damit ein Schwein ein Kilo zunimmt, braucht es neun Quadratmeter Ackerland. Von unserem persönlichen Acker könnte man also gerade zwei Schweine bis zum Schlachtgewicht von 150 Kilo füttern.

Oder – wenn wir auf dem Acker ausschließlich Raps für Treibstoff anbauen, können wir mit einer Ausbeute von 650 Kilogramm rechnen. Daraus ließen sich 272 Liter Diesel herstellen, mit denen man 3.900 Kilometer weit fahren kann. Mit der Jahresernte unseres Ackers könnten wir also schön in den Urlaub fahren. Einmal nach Barcelona und zurück. Nur gegessen hätten wir dann noch nichts.

Vielfältiges Programm für junge und alte Entdecker

Eine Schulklasse beschäftigt sich mit Mais, Kartoffel und Co. Foto: Lichtschwärrmer

Diese und weitere Probleme thematisiert die Initiative auf dem Acker. Spielerisch, mit viel Eigeninitiative wird globale Landwirtschaft aufbereitet und erfahrbar gemacht. Dabei gibt es ein vielfältiges Programm für junge und alte Entdecker. Dieses Jahr ist der Weltacker bei der Internationalen Gartenausstellung (IGA) dabei, in deren Rahmen zusätzliche Führungen und Aktionen angeboten werden.

Die Ernte des Ackers können Kinder und Jugendliche in den sogenannten Ackermahlzeiten verkochen und Acker-Rallyes bringen Besucher Frage für Frage dem Weltacker näher.

Das Motto: „Es ist genug für alle da!“ Würde man beim Anbau auf Energiepflanzen wie Raps verzichten, weniger Tiere züchten und produzierte Lebensmittel essen statt sie weg zu werfen, würde es schon jetzt genug Essen für alle Menschen geben.

Der Weltacker eröffnet dieses Jahr am 07. Mai. Aktuelle Informationen gibt es auf Facebook oder über den Ackerfunk. Außerdem werden nach wie vor Unterstützer und ehrenamtliche Mitarbeiter für den Weltacker gesucht. Zeit – die Komfortzone zu verlassen und den Schritt auf den Acker zu wagen. Sehen, lernen und erleben.

 

erschienen am 02. März 2017

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