Politik revolutioniert Coffee-To-Go in Berlin

Das Pappbecher-Pfandsystem

Javie Molina via Unsplash

Man ist spät dran für’s Meeting, aber trotzdem muss noch der Koffein-Kick her. Also schnell den Coffee-To-Go abgreifen und los. Kein seltenes Bild im geschäftigen Leben und eigentlich kein Problem, wenn da nicht der Müll wäre. Allein in Berlin wirft man täglich 460.000 Einweg-Pappbecher weg. Im Schnitt verbraucht jede*r Deutsche 34 Pappbecher pro Jahr. 43.000 Bäume die dran glauben müssen, nur, weil wir uns keine Zeit für Kaffee, Tee und Co. nehmen.

Das wollen Politiker*innen in Berlin ändern: SPD, Linke und Grüne haben einen Antrag auf ein Mehrweg-Kaffeebecher-System ins Parlament eingebracht. Wenn sich der Senat mit Hersteller*innen und Umweltverbänden schnell auf einen Becher und eine konkrete Umsetzung einigen kann, kommt er noch 2017 ins ganze Berliner Stadtgebiet.

Pfand für Kaffee zahlen, wie bei einer Bierflasche

Das heißt konkret, dass man Pfand für den Mehrwegbecher bezahlt und es bei der Rückgabe in teilnehmenden Cafés wieder zurückbekommt. Dass das funktioniert wissen wir längst von Bier- oder Saftflaschen, die wir brav in Supermärkte zurücktragen.

In Berlin gab es bereits das Pilotprojekt “Just Swap It”; auch andere Städte haben ähnliche Initiativen gestartet. Das Problem daran ist aber, dass nur ein paar Cafes in einem bestimmten Stadtteil mitmachen, weshalb es unpraktisch ist.

Teilnehmer werden belohnt

Bereits eingefleischte Müllvermeider*innen belohnt das System genauso: Alle, die mit einem eigenen Becher kommen sollen den Kaffee 20 Cent billiger kriegen – immerhin ein Euro pro Arbeitswoche gespart. Wenn alles gut läuft, ziehen mehr Städte nach. Hoffentlich weltweit, denn die Umweltbelastung ist immens. Wie viele Ressourcen dafür verbraucht werden verdeutlicht das Beispiel der jährlich verbrauchten 2,8 Milliarden Pappbecher in Deutschland:

Die meisten To-Go-Becher bestehen aus Neumaterial – 95 Prozent Papier; 5 Prozent Polyethylen. Das sind:

  • 43.000 Bäume für Frischpapier
  • 22.000 Tonnen Rohöl für Beschichtung und Deckel
  • 1,5 Milliarden Liter Wasser – also der Tagesverbrauch von 12 Millionen Durchschnittsdeutschen
  • 320 Millionen Kilowatt Energie – ein Jahr Strom für 100.000 Haushalte

Am Ende landen all diese Ressourcen bestenfalls in Abfalleimern und dann in Müllverbrennungsanlagen. Rein ökologisch gesehen sollte dem Coffee-To-Go-Mehrwegsystem also nichts mehr im Weg stehen. Allerdings ist das System nicht verpflichtend. Der Mehraufwand für Bäcker*innen und Cafes könnte sie daran hindern überhaupt teilzunehmen. Wenn sie die Becher zurücknehmen, müssen sie sie auch spülen und aufbewahren. In kleinen Backshops und da, wo es schnell gehen muss, könnte es räumlich und zeitlich also eng werden.

Der Antrag ist so gut wie durch

Zusätzlich verbrauchtes Wasser ist aber kein Gegenargument. Laut Carsten Buchholz, dem umweltpolitischen Sprecher der SPD zeigen Studien: Je nach Mehrwegbecher kann er schon ab der zehnten Nutzung ökologischer als ein Pappbecher sein. Weil der Antrag in Berlin laut Buchholz so gut wie abgesegnet ist, freuen wir uns schon mal darauf, dass Berlin als erste Metropole seine Kaffeebecher teilen wird.

erschienen 01. Februar 2017

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