Vom Campingstuhl zur Mütze – so gut sieht Upcycling auf deinem Kopf aus

Was Tatjana Neu braucht, um abgefahrene Rennradcaps zu nähen? Müll. Wie es zu UpCYCLING Headwear kam und was dahinter steckt, erklärt uns die 20-jährige Wahlberlinerin beim Nähen.

Den kaputten Campingstuhl, meint Tatjana, hat sie damals bei einem Festival mitgenommen. “Mein Kumpel fand das Muster cool, also habe ich zwei Mützen daraus genäht.” Sie zeigt auf eine orange-grüne Rennradkappe, die von ihrer Zimmerdecke hängt – daneben 14 andere bunte Caps; manche gemustert, manche uni-farben.

Hier hängen die Kappen von der Decke.

Diese Mützen sehen alles andere als trashig aus.

Die nächste Kappe wird weiß mit kleinen Marienkäfern. “Ein altes Stilltuch”, sagt Tatjana. “Naja eigentlich nur der Verschnitt aus der Produktion.” Welche Stoffe sie bekommt, weiß sie nie genau. Überreste und “Müll” sind die Grundmaterialien ihrer Caps.

Seit September 2016 hatte die 20-Jährige alte Bandanas, Taschen, Stilltücher und den kaputten Campingstuhl unter der Nähnadel. Ich konsumiere selbst nicht so viel und wenn, dann lieber Teile, die aus Materialien bestehen, die eh schon da sind.” Wie unglaublich kreativ das sein kann, zeigt sie mit jedem Unikat, das sie kreiert.

Tatjana Neu in ihrem Zimmer - hier entstehen die Rennradcaps aus Müll.

Tatjana Neu in ihrem Zimmer – hier entstehen die Rennradcaps aus Müll.

“Darf ich mal in deinen Mülleimer greifen?”

Die Textilreste holt sie mittlerweile bei festen Anlaufstellen in Friedrichshain. “Am Anfang bin ich bei vielen Manufakturen vorbei und habe gefragt, ob ich mal in den Mülleimer greifen darf” – Tatjana lacht. “Das war etwas seltsam.” Ab und zu kommt der Stoff auch von der Straße – ein Freund hat letztens Möbelstoff vom Sperrmüll mitgebracht.

Für den Gummi, der das Cap dehnbar und passend für jede Kopfform macht, schneidet sie Stücke von alten Fahrradschläuchen ab. Die “upCYCLING”-Logos, die Tatjana auf die Mützen bügelt, sind aus Überresten einer Textildruckerei. Ausgediente Plastikordner und Bewerbungsmappen finden neues Leben als Sturz der Cap.

Aus Fahrradschläuchen scheidet sie den Gummi für die Mützen.

Aus Fahrradschläuchen schneidet sie den Gummi für die Mützen.

“Plastik ist eben immernoch Plastik!”

Das alles wird zusammengehalten von Garn und Schrägband aus einem Bio-Nähladen im Prenzlauer Berg. Zu Beginn war der Faden aus recycelten PET-Flaschen. “Mittlerweile bin ich aber zu Bio-Baumwolle gewechselt. Plastik ist eben immer noch Plastik.”

Der Sturz wird stabil durch das Plastik alter Ordner.

Der Sturz wird stabil durch das Plastik alter Ordner.

Von der Textilfleischerei zu upCYCLING Headwear

Die Idee Rennradkappen zu nähen kam durch ihren Freund. “Er ist Triathlet und trägt die Kappen laufend – außerdem brauchte er noch Kopfbedeckungen für seine Food Truck-Crew”, erzählt Tatjana. So entstand mitten in der Nacht die erste Version der Caps.

Damals war Tatjana Praktikantin bei der weltweit ersten Textilfleischerei “Aufschnitt”. Da, wo man Herz-, Lungen- und Zungenkissen herstellt, lernt man, wie man Dinge neu interpretiert. Mit all den Stoffresten, die dort anfielen, kam der Wunsch etwas daraus zu machen – upCYCLING Headwear.

Alte Fahrradlenker kann man nicht mehr verwenden? Denkste.

Alte Fahrradlenker kann man nicht mehr verwenden? Denkste.

Aus alt mach neu – in einer Stunde

Innerhalb einer Stunde und 10 Minuten näht Tatjana das rundum upgecycelte Berliner Produkt in ihrer Neuköllner Altbauwohnung. “Dadurch, dass ich das nicht gelernt habe, hat es anfangs zwei Stunden gedauert”, erzählt Tatjana, während sie Schnittmuster vor sich ausbreitet.

Am Schönsten fände sie es, wenn jede*r mit seinem/ihrem Lieblingsstoff zu ihr kommt. Dann zeigt sie, wie man ihn zurecht schneidet; näht die Teile zusammen und am Ende nimmt jede*r seine/ihre eigene upCYCLING-Cap gegen Spende mit nach Hause.

Bereits ein nachhaltiges Modelabel gegründet

Die Mützen sind nicht das erste Projekt der Studentin. Vor zwei Jahren hat die 20-jährige mit Freunden das nachhaltige Klamottenlabel “Nhaw” gelauncht – ein politisches Kleiderlabel. T-Shirts, Pullover und Unterhosen auf denen “Refugees welcome” steht, aus GOTS-zertifizierten Farben und Stoffen. Dieses Jahr wird sie mit ihrem Bachelor in Kommunikationsdesign fertig. Danach mal sehen – vielleicht Luxemburg.

Wer sich ein “Gänseblümchen”-, “No Borders”-Cap oder eines, genäht aus dem eigenen Lieblingsshirt, sichern will, kann sich über den Online-Shop an Tatjana wenden. Die Kappen berechnet sie nach Zeitaufwand. Momentan kostet die Mütze 28 Euro.

 

 

erschienen am 23. März 2017

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