Nachhaltigkeit am Arsch

 

“Der Wald gehört nicht in die Toilette”, sagt Greenpeace . Und sie haben recht. Trotz hohem Müllaufkommen und entsprechenden Schäden an der Natur werden Toilettenpapier und Feuchttücher auf dem stillen Örtchen selten hinterfragt – aber aus einer frischen Perspektive muss das heutzutage nicht mehr so sein. Was genau schief geht und wie du den Status Quo herausfordern kannst.

Durch die grüne Brille betrachtet ist Toilettenpapier eine ordentliche Umweltbelastung. Pro Tag werden laut WWF weltweit 270.000 Bäume für Hygienepapier gefällt. Und wenn du wie die meisten Deutschen bist, trägst du mit 15 Kilogramm Toilettenpapier jährlich dazu bei.

Umgerechnet kommen in Deutschland pro Jahr 2,5 Milliarden verkaufte Rollen Klopapier zusammen – mit denen könnte man die Erde 1.500 mal umwickeln (bitte nicht ausprobieren, denkt an den Müll!). Dazu kommt der Plastikmüll von Toilettenpapier-Verpackungen (geschätzt 4,75 Millionen Kilogramm), der Trinkwasserverbrauch zur Herstellung (340 Milliarden Liter Trinkwasser, 140 Liter pro Rolle) und die CO2-Emissionen (940 Millionen Kilogramm).

Der Anteil an Recyclingfasern im Papier geht gleichzeitig jährlich zurück. Die großen Toilettenpapierhersteller (u.a. Procter & Gamble) machen so auch durch Abholzen von Wäldern ein Milliardengeschäft. In anderen Worten: Unsere Hintern haben einen ordentlichen ökologischen Fuß-(Po?)Abdruck. Geht uns diese Bilanz sprichwörtlich am Allerwertesten vorbei?

Probleme durch Feuchttücher

Toilettenpapier steht als heimliche Umweltsünde auf der Toilette nicht alleine da. Da das grundsätzliche Hygienebedürfnis in der Bevölkerung weiter wächst, greifen immer mehr Menschen zu Feuchttüchern. Klingt zunächst ja auch verlockend: Sauberer, frischer, weniger Wischen.

“40 Prozent der Deutschen verwenden heute bereits feuchtes Papier zur Nachreinigung“, sagte Thomas Hörner, Chef der Forschungs- und Entwicklungsabteilung Europa für Procter & Gambles Charmin-Klopapier im brandeins-Interview. Das ist vielleicht hoch gegriffen, aber selbst der NDR berichtete schon 2012 von Feuchttüchern auf den Toiletten in jedem dritten deutschen Haushalt. Aber diese “Extraportion Frisch” auf der Toilette hat ihren Preis für die Gesellschaft, die Umwelt und deine persönliche Gesundheit untenrum.

Feuchttücher, der „Bösewicht des Jahres 2015“ – so titelte der Guardian zum Thema. Denn der Hype um die kleinen feuchten Lappen hat eine sprichwörtlich fette Schattenseite: Einmal heruntergespült, bilden sie in den Abflussrohren zusammen mit Öl aus der Küche gewaltige Fettberge. In Deutschland steigen deswegen die Abwassergebühren: In manchen Kommunen schon seit 2015 um jährlich 18 Euro.

Da wir alle gerne sauber bleiben, wenn es ums Geschäft geht, werden Feuchttücher reißfest produziert, um Kontakt mit Fäkalien zu vermeiden. Die Kunden wiederum wollen mit den benutzten Feuchttüchern so wenig wie möglich zu tun haben: Sie entsorgen Feuchttücher daher – nicht wie gefordert – in Mülleimern, sondern lassen sie direkt in die Toilette fallen.

Einige Feuchttücher vermarkten sich mittlerweile zwar als „spülbar“ – aber das bedeutet nur, dass sie deine eigene Toilette nicht sofort zum überlaufen bringen. Um die notwendige Reißfestigkeit zu erreichen, sind sie oft mit Plastikfasern versehen, die sich überhaupt nicht auflösen sollen. Die Mikroplastik-Fasern, mit denen Feuchttücher reißfest gemacht werden, landen schlussendlich in Mengen im Ozean.

Und gesundheitlich? „Feuchtes Toilettenpapier ist nichts für den Dauergebrauch. Die meisten Produkte in unserem Test sind durchgefallen.“ berichtet Öko-Test. Ärzte stimmen zu: Allergene-Bestandteile, der Alkoholgehalt und weitere chemische Stoffe können böse Nebenwirkungen verursachen. Fazit: Lieber die Finger davon lassen.

Klopapier und Feuchttücher – Was sind die Alternativen?

Warum ist da bisher so wenig passiert? Weil wohl früher niemand über seine Toilettengewohnheit gesprochen hat – und Alternativen bisher aufwändig und kompliziert waren. Zum Glück scheint die Beschäftigung mit dem Po mittlerweile im Trend zu liegen. Möglichkeiten zur Müllvermeidung kommen sowohl von großen Herstellern als auch von grünen Startups. Selbst wenn man der Gewohnheit zu Liebe bei reinem Papier bleiben möchte, hat man Alternativen. Also ran da!

Ökologische Papiere

Über das klassische Recyclingpapier hinaus gibt es mittlerweile Anbieter, die neue Wege gehen, um Toilettenpapier nachhaltiger zu machen. Goldeimer unterstützt mit seinem besonders gestalteten 100-prozentig recyceltem Papier seine ökologischen Komposttoiletten. Smooth Panda stellt sein Toilettenpapier aus nachwachsendem Bio-Bambus her.

Feuchttücher selber machen

Feucht wischen fühlt sich frisch an. Dass man das auch ohne Chemie hinbekommen kann, zeigt unter anderem der Blog Stadtmama. Papier verbraucht man dabei aber trotzdem.

Wasser als Lösung

Wenn es dir neben der Umwelt um die besondere Frische geht, lohnt sich Wasser. Wasser macht schließlich sauberer als Papier. Wer das nicht glaubt, sollte daran denken, dass wir uns regelmäßig duschen, statt in eine Wanne voller Taschentücher zu steigen. Warum also nicht gleichzeitig die Umwelt schonen UND den Hintern verwöhnen?

Bei allen Wasserlösungen gilt: Selbst wenn man nach der Reinigung noch Papier zum Abtrocknen zur Hand nimmt, ist der eigene Verbrauch auf ein Minimum reduziert. Wer den nächsten Schritt gehen möchte, kann dazu ein Handtuch benutzen.

Bidet

Frankreich-Freunde oder Besucher des südlichen Europas kennen sie: Die kleinen Becken mit Fontäne für den Intimbereich, in dem manche*r Reisende erstmal unschuldig ein Gerät zur Fußwäsche vermuten. In Deutschland sind Bidets weniger verbreitet. Wer den Platz im Bad hat und den Aufwand nicht scheut, kann sich hier in eine lange Tradition der Intimhygiene einreihen.

Dusch-WC

Die Variante für das oberste Prozent der Gesellschaft sind sicher die aus Japan stammenden Dusch-WCs. Wer sich über großartiges Design freut und keine Berührungsängste mit dem seitlich am Toilettensitz angebrachten Kontrollfeld hat, der kann sich über reichlich Features freuen: von Duschköpfen mit Pulsiermodus, über Sitzheizung, eingebauten Fön bis hin zur Smartphone-App mit eigenen Lieblingseinstellungen. Nachteil: Dusch-WCs sind eine Investition, die leicht im vierstelligen Bereich liegt.

Handbrause

Günstig, aber handwerkliches Geschick erfordern Handbrausen. Die kann man meistens im Baumarkt erwerben und werden an einem freien Wasseranschluss nahe der Toilette montiert. Augen auf beim Kauf: Der Standard hat nur einen Anschluss; heißt man muss sich zwischen Kalt- oder Warmwasser entscheiden und manche sind im Wasserdruck schwer regulierbar.

Po-Dusche

Zu guter Letzt gibt es auch eine ganz neue Variante. Die Po-Dusche von HappyPo ist inspiriert von Bidets und Dusch WCs. Es ist eine handliche Druckflasche mit Düsenkopf, die man mit Wasser füllt. Durch Drücken der Flasche kann man mit einem satten Strahl den Po einfach sauber duschen. Der Vorteil gegenüber den anderen Möglichkeiten: Man kann sie stressfrei ausprobieren, denn man braucht nichts zu installieren, um sich an das neue Wassergefühl heranzutasten. Zudem handelt es sich bei der Po-Dusche um eine nachhaltige, günstige, aber auch die bisher unbekannteste Alternative.

 

Welche Variante habt ihr schon ausprobiert? Kommentiert mit euren Erfahrungen, auch mit verschiedenen Tricks, Produkten und Herstellern – wir ergänzen die Liste der Alternativen gern mit weiteren hilfreichen Dingen, die wir bisher vielleicht übersehen haben.

Und ansonsten: Sauber bleiben!

Veröffentlicht am 03.02.2017 von HappyPo

 

Weitere Tipps für Nachhaltigkeit im Bad:

http://www.trashisfortossers.com/2013/08/zero-waste-alternatives-ultimate-list.html

http://www.wiwo.de/technologie/green/living/diy-reiniger-sechs-tipps-um-plastikmuell-aus-dem-bad-zu-verbannen/13551988.html

 

 

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One Comment

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