Wenn jeder Tropfen zählt...

Stell dir vor du wachst auf und willst dich waschen. Müde, mit verklebten Augen machst du dich auf den Weg. Anziehen, Pinkeln gehen, Durchatmen. Dann schnappst du die Kanister und läufst los. Es wird mehrere Stunden dauern bis du mit dem benötigtem Wasser für die Wäsche zurück kommst.

So könnte die Morgenroutine vieler Dorfbewohner*innen in Afrika aussehen. Dort kommt kein Wasser aus dem Hahn, weil es knapp ist. Während Deutsche jeden Tag im Schnitt 121 Liter Wasser verbrauchen, muss man im ländlichen Afrika mit rund 20 Litern auskommen. Das ist die gleiche Menge Wasser, die wir beim Duschen in eineinhalb Minuten verbrauchen. Dass Wasser rar ist, ist kein Geheimnis. Gerade einmal zweieinhalb Prozent des weltweiten Wasservorkommens sind trinkbar.

Agrarminister der G20-Länder fordern nachhaltigeren Umgang mit Wasser

Wie wir in Zukunft mit unserem begrenzten Süßwasservorrat umgehen wurde im Januar auf dem ersten Treffen der G20-Länder in Berlin verhandelt. Die G20 repräsentieren die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt. Auf dem Treffen haben sich die Agrarminister der Mitgliedsländer für einen nachhaltigeren Umgang mit unseren Süßwasservorräten ausgesprochen und einen Plan zur Haushaltung des Wassers beschlossen.

Der Plan sieht vor, unsere Wassergewinnung – beispielsweise Wasserentsalzungsanlagen – zu verbessern. Gleichzeitig sollen Grundwasser und Böden, durch schonenderes Düngen geschützt werden. Große Bedeutung hat dabei die digitale Datenerhebung von Bodenfeuchte, Niederschlagsmenge und Grundwasserspiegel. Dadurch sollen weltweit – auch in sehr ländlichen Gebieten – Dürren und Überschwemmungen in Zukunft besser vorhergesagt werden. Zudem muss verstärkt nach Pflanzen geforscht werden, die weniger Wasser im Anbau benötigen.

Die industrielle Landwirtschaft verbraucht global am meisten Süßwasser. Rund 70 Prozent werden weltweit für den industriellen Anbau von Nutzpflanzen eingesetzt. Bei einer stetig wachsenden Weltbevölkerung ist damit eine globale Wasserkrise nicht unwahrscheinlich.

Zwischen 5.000 und 20.000 Liter Wasser stecken in einem Kilo Fleisch

Für das, was täglich auf unseren Tischen landet, werden Unmengen an Wasser verbraucht. Rund 1.700 Liter Wasser stecken laut Bundeslandwirtschaftsministerium in einer Tafel Schokolade  – rechnet man den Wasserverbrauch der gesamten Wertschöpfungskette zusammen. In einem Kilo Fleisch –  je nach Tier- und Haltungsart – 5.000 – 20.000 Liter. Während wir uns ein saftiges Steak schmecken lassen haben schon jetzt weltweit 750 Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser, geschweige denn ein Steak.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt fordert einen produktiveren, nachhaltigeren und verantwortungsvolleren Umgang mit den globalen Süßwasservorräten. Ziel muss es sein, den bisherigen Wasserverbrauch zu halten und nicht auszuweiten.

„more crop per drop“ birgt Konfliktpotenzial

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich Böll Stiftung, steht dem Vorgehen kritisch gegenüber. Sie betont, dass eine reine „more crop per drop“ Politik – mehr Ertrag pro Tropfen Wasser – nicht die Lösung sein kann, da Nutzpflanzen häufig nicht zu Ernährungszwecken sondern als Tierfutter oder für Biogasanlagen eingesetzt werden. Sie sieht auch Konfliktpotenzial darin, die globale Wasserverteilung, zu optimieren. Dies könnte zur übermäßigen Privatisierung von Wasser führen. Verstärkte Konflikte darüber wie das Wasser verteilt wird, wären dadurch unvermeidlich und den langen Weg zum Brunnen, auf dem du dich immer noch befindest, könntest du dir sparen.

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