Wie plant man ein nachhaltiges Event?

Letztes Jahr gab es viele erste Male. Dazu zählte, das erste Mal Events zu veranstalten. So richtige – wo man nicht nur Freunde und Familie einlädt, die sagen wie toll alles ist, was man macht. Events, bei denen man nicht weiß, ob auch nur eine Menschenseele auftaucht. Die Art, wo man kurz vor Beginn überlegt alles abzusagen, hinzuschmeißen und auszuwandern. Auf die Philippinen zum Beispiel – da soll es traumhafte Strände geben. Statt Zigaretten zu holen  und nicht wiederzukommen – ich rauche eh nicht, das wäre noch viel auffälliger – bleibe ich und bringe es hinter mich. So ging es mir bei meinen ersten zwei Events. Bei den letzten zwei legte sich aber ein Schalter um. Der Schalter der Gleichgültigkeit. Ich hörte auf nachzudenken. Lächeln auf und durch.

Letztes Jahr veranstalteten wir HappySnapping mit Einhorn Condoms, Philip Steuer und Buzzbird. Ein Event, auf dem unter anderem Richard Gutjahr, Marie Meimberg und viele andere Geschichten über Snapchat erzählten. Snapchat ist so ein Thema, das Menschen zieht. Das haben wir glatt unterschätzt und plötzlich waren in unserem gemütlichen, nicht Event- geeignetem Büro, über 100 Leute, die alle Tische, Stühle und Böden belegten.

Ganz ähnlich sah es aus als Lauren Singer, die New Yorkerin die ohne Müll lebt, zu Besuch kam. Die Veranstaltung war innerhalb eines Tages ausgebucht, sodass wir einen Tag später ein zweites Event anboten. Events und Themen unterschätzen kann ich gut.

Ende des Jahres organisierte eine Kollegin einen Vortrag mit Bea Johnson, der Mutter der Zero Waste Bewegung im Halleschen Haus in Berlin. Auch das Event war ziemlich schnell ausgebucht – diesmal mit Bezahlung, was wir über Eventbrite geregelt haben. Bei all den Events war ich endlich mal auf der Seite der Veranstalter*innen. Dabei erfuhr ich woran man alles denken muss, wenn eigentlich an alles gedacht ist. Denn als Speakerin auf Konferenzen in ganz Europa erlebe ich nur die Perspektive der Teilnehmenden und weiß natürlich alles besser. Dieses “Besser” will ich heute mit euch teilen, damit auch ihr nachhaltigere oder gar Zero Waste Events veranstalten könnt.

Weißer Stuhl mit Ballon aus Papierfetzen vor blauem Hintergrund

Location
Die Wahl der Location ist das Wichtigste. Damit fällt und steht das Event. Auf typische Faktoren, wie Hipness, geeignete Größe für die erwarteten Gäste und die Verfügbarkeit muss ich nicht eingehen. Was ihr aber aus ökologischer Perspektive beachtet solltet:

-Wie ist die Infrastruktur? Ist das Gelände nur per Auto beziehungsweise Taxi zu erreichen oder gibt es öffentliche Verkehrsmittel in der Nähe? Autofahren macht Spaß, aber umweltfreundlich ist es immernoch nicht.

-Wie ist das Catering ausgestattet? Wird auf wiederverwendbares Geschirr Wert gelegt oder ist alles auf Einweg getrimmt? Oft ist es bei der Anmietung verpflichtend, das Catering lokal mitzubuchen. Wenn dem so ist, lohnt sich die Frage nach genügend Mehrweg-Tassen, -Teller und -Besteck für die Menge der Teilnehmenden.

-Wie ist die Stromversorgung? Alternative und grüne Locations achten oft von selbst drauf, aber es schadet nicht nachzufragen. Schließlich verbrauchen Events viel Strom. Egal, wie grün das Thema der Veranstaltung ist, ist es doch wirklich eine Energieverschwendung, wenn ein konventioneller Strom-Mix aus Kohle und Atomkraft aus der Steckdose kommt.

 

Catering
Es gibt nichts Ärgerlicheres, als eine gute Konferenz mit schlechtem Mittag: Bratwurst im Brötchen auf Plastikteller – nicht nur für Veganer*innen eine Enttäuschung.

Was man sich und seinen Caterer fragen sollte: Welche Küche bieten wir für wen an? Gibt es genug Alternativen für Veganer*innen und Allergiker*innen? Ist das Essen entsprechend gekennzeichnet? Woher stammen die Lebensmittel, sind sie regional, bio und unverpackt eingekauft oder zumindest in Großgebinde wie in der Gastronomie üblich?

Wie wird das Essen angeboten? Buffet mit Selbstbedienung oder Bedienung mit Häppchen in kleinen Weck-Gläsern?

Auch Fast Food und Food Trucks müssen nicht auf Mehrweggeschirr verzichten. Gerade auf geschlossenen Veranstaltungen kann man leicht ein einheitliches Mehrwegpfandsystem anbieten. Zum Beispiel kann man gleiche Teller oder größere Weck-Gläser verwenden, die dann an einer Reinigungsstation wieder abgegeben werden können. Was für das Catering der Gäste gilt, gilt genauso für die Crew-Verpflegung.

Die letzte Frage zum Thema Food: Was machen mit den Resten? Ich empfehle vorher Foodsharing Bescheid zu geben, dass anfallende Reste gegebenenfalls abgeholt werden können. Je nachdem wie viel es wird, ruft ihr vorher nochmal bei dem oder der zuständigen Foodsaver*in an. Sie holen die Lebensmittelreste ab und verteilen sie in ihrem Netzwerk. So landet kein Bissen im Müll.

 

Werbung
In Zeiten gezielten Online-Marketings, über Facebook, unzähliger Eventseiten und Blogs, die alle Themen abdecken, frage ich mich, warum so viele Veranstalter*innen auf Poster und Flyer vertrauen. Das ist so 2009. Online kostet die Werbung am Ende weniger, man hat weniger Streuverlust, es geht schneller, kann es viel besser steuern und hat am Ende des Tages keinen Müll.

 

Programm und Informationsmöglichkeiten
W-Lan auf Konferenzen ist Standard und fast jeder Gast hat ein Smartphone. Jede*r könnte digital auf das Programm zugreifen und am Ende des Tages würden nicht zig tausend Blätter im Müll landen. Für manche Besucher*innen ist es leichter in jeder Jackett-Tasche ein Programm mitzuführen, als einmal die entsprechende App runterzuladen und so das Programm zu checken. Dabei gibt es bereits genug Anbieter, die Veranstalter*innen das Leben leichter machen. Daneben gibt es die klassische Variante: eine mobilfähige Website zur Verfügung zu stellen. PDFs sind nett, aber nicht responsiv und daher eine Qual für jede*n Teilnehmende*n. Wer nicht auf ein gedrucktes Programm verzichten mag, kann statt vieler einzelner Flyer, große Poster aufhängen und diese vorzüglich in Ökodruckerein herstellen lassen.

 

Kleinkram während der Veranstaltung
Ich hatte lange Zeit die schlechte Angewohnheit Namensschilder mitzunehmen anstatt sie zurückzugeben. Vielleicht lag es an der angeheiterten Stimmung – dem Sekt sei dank, oder auch weil ich nicht wusste, wohin mit den Plastikhüllen. Eine Kiste am Ausgang aufgestellt, hilft den Teilnehmer*innen am Ende des Tages. Die Schilder können dann beim nächsten Event wieder verwendet werden.

Das gilt nicht für die Schlüsselbänder an denen das Schild hängt. Die sind oft zu hässlich um auch nach der Konferenz verwendet zu werden und haben eine miserable Qualität, so dass sie ihre Funktion als Schlüsselanhänger selten länger als ein paar Wochen erfüllen. Stattdessen könnte man zum Beispiel Jute-Kordeln verwenden. Sieht nicht nur öko aus, sondern lässt sich auch kompostieren.

Goodie Bags, Geschenke, Stifte. Man liebt oder hasst sie. Ich tue beides. Ich liebe sie, weil ich mich wie jeder Mensch über ein Geschenk; ein Goodie freue. Ich hasse sie, weil das Geschenk am Ende des Tages Werbung ist die im Müll landet. Selbst nett gemeinte Produktproben sind schnell benutzt. Die Verpackung aus endlichen Ressourcen landet im Müll und vielleicht sogar im Meer.

Nachhaltige Events sind keine Utopie. Sie benötigen nur ein bisschen mehr Mitdenken, Organisation und die Bereitschaft sich vom Status Quo zu lösen. Wenn man bereit ist sich darauf einzulassen, macht es nicht nur euch Freude. Ihr lebt und arbeitet nach den euch selbst gesetzten Werten. Eure Gäste und Teilnehmenden werden dankbar sein und eure Veranstaltungen mit einem guten Gewissen genießen.

9 I like it
0 I don't like it

One Comment

  1. Toller Artikel, gefällt mir gut. Ich habe diesen auf Facebook geteilt und ein paar
    Likes dafür bekommen. Weiter so!